Die erste Reise nach Albanien Teil IV

Das Haus, von dem es heißt, der Bürgermeister würde im obersten Stock wohnen

Wir ziehen mit Belumb durch die Stadt. Zum großen Platz an dem das Nationalmuseum liegt, Hunde schlafen davor im Park und die Nationalbank, der Platz an dem das Enver-Hoxa-Standbild gestanden ist – jetzt ist der kleine Hügel leer.
Erste Kontakte mit der albanischen Fahrweise: alle fahren wie’s gerade geht, zweimal kurz hupen heißt – Achtung da vorne auch auf der Autobahn, wie sich später herausstellen wird, wenn man jemanden überholt – zweimal hupen. Wenn die Fußgängerampel grün ist, haben trotzdem die Autos Vorrang – man hupt halt zweimal.
Wir gehen weiter, an allen möglichen, gut bewachten Ministerien vorbei. In dem Park, an dem das bunt angemalte Hochhaus liegt, in dem der Bürgermeister die oberste Etage bewohnen soll, haben wir den ersten Kontakt mit einem bettelnden Kind. Es hat einen Fuß, der beim Knie endet. Belumb sagt, das sei ein Trick, der Fuß sei in Ordnung – ich bin, angesichts des Grundes unseres Aufenthaltes, nicht wirklich überzeugt. Der Bub klammert sich an das Bein meines Flugbegleiter-Kollegens. Erst nachdem Belumb in kräftig anschreit läßt er los.
Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Mercedese gesehen. Mindestens jedes zeite Auto ist ein Mercedes. Alte, die beinahe auseinander fallen bis hin zur blitzenden, nagelneuen S-Klasse. Zum Teil mit deutschen Kennzeichen.
Wir kommen an modernen, glasverkleideten Hochhäusern vorbei, seltsam deplatziert. Die seien von “Arabern” errichtet worden. Weiter geht es an verschiedenen Ämtern und Ministerien vor denen Polizisten stehen mit automatischen Waffen.
Wir gehen im Bogen weiter, kommen an der Universität vorbei zu einem Hotel bei dessen Anblick ich zu lachen anfange. Irgendjemand hat hier in ein hypermodernes, glasverkleidetes Riesenhotel mit Shopping-Mall und Landschaftsarchitekten-Garten investiert, wohl in der Hoffnung in absehbarer Zeit würde aus dem Staub des Nach-Kommunismus, Nach-Pyramidenspiel, Nach-Bürgerkrieg, Nach-Letargie, Nach-Landflucht, Nach-Ach-was weiss-denn-ich der albanische Phönix auferstehen und Tirana zum angesagten Schicki-Micki-Reiseziel werden lassen – Nur 50 Kilometer bis zum Meer! Zur Zeit kann man die Unkosten schön mit den Mitarbeitern irgendwelcher EU-Kommissionen und sonstiger Hochpreis-Hilfsorganisationen decken.

Lesen Sie auch nächstes Mal wieder mit, wenn es heißt: Wird unser Held nach der Ersteigung des Minarettes wieder auf die Erde zurückkehren, wird er die erste Welt wieder erreichen? Es bleibt spannend!

Strike back!