TypoBerlin 2005 • Tag 1

Abfahrt Linz Hauptbahnhof 23:18 Uhr.
Alles normal – schlechter Schlaf bis Wannsee.
Ankunft Berlin Zoologischer Garten 8:18 Uhr.
Taxifahrt zum Hotel und Künstlerheim Luise in der Luisenstraße.
Gepäckdepot.
Fußmarsch zum Bahnhof Friedrichstraße.
Fahrräder ausleihen.
Fahrt zum Alexanderplatz.
Himmelfahrt.
Frühstück im Restaurant im Fernsehturm. Drei bis Vier Umdrehungen lang.
Fahrt zum Hotel.
Durschen.
Fahrt zur schwangeren Auster, Check-In.

Meine Anmeldung ist nicht angekommen.
Kulanter Fontshop-Johnny macht alles in kurzer Zeit möglich.
Rene Knipp, Bewegung in the 2,5th dimension:
Sehr relaxed. Ein Holländer. Prototypisch. Er macht 2,5-dimensionale Skulpturen. 3-dimensionale Typografie. Weil alles ein wenig chaotisch ist zu Beginn, rafft er seinen einstündigen Vortrag auf eine Stunde. Das ist ziemlich rasant und witzig. Er zeigt witzige Fotos, zum Beispiel von einem Schwein und von einer verschimpelten Frucht aus seinem Kühlschrank. Er macht viele Sachen, bei denen er Schrift als dekoratives Element verwendet. Die Fonts dafür entwirft er “quick’n dirty” er verkauft sie auch nicht. Dazu wären sie zu unfertig.
Louis Rosetto, Change is good:
Ein Vortrag auf den ich mich sehr gefreut habe. Wired lese ich ja gerne, auch wenn es bei uns in der Kleinstadt schwer zu kriegen ist.
Rosetto beginnt bereits mit der Einleitung, dass in Spiekermann, der mir übrigens nicht abgehen wird nächstes Jahr, aber dazu später mehr, gebeten habe, zu kommen und er eigentlich nicht wollte, weil “most painfull moments” und aber dann doch und befreiend und thank you, erik, blablabla. Naja, hab ich mir gedacht, Amerikaner halt. Sind halt gerne theatralisch. Inhaltlich meistens sehr interessant und auch spannend und sogar zeitweise kurz witzig ist es aber vom Tonfall kaum auszuhalten. Irgendwann erwartete ich Tränen, die aber dann gottseidank doch nicht kommen wollen, er ersetzt sie zumindest durch tiefe Seufzer. Ich seufze dann, als er von seinem “most painfull moment” zu erzählen beginnt. Wie Wired eigentlich ein “Going Public” plant, um Dollars für die Expansion zu generieren und diese Aktion aber regelrecht im Arsch endet. Zu heulen musste ich aber dann wirklich anfangen vor Mitleid, als er erzählt, wie sie gezwungen waren, Hotwired an Lycos und Wired an Condé Nast verkauft wurde zusammen um zirka 300 Millionen Dollar. Ich verstehe schon, dass es scheisse ist, wenn einem das Baby gestohlen wird, wenn alle Banker fantasielose Arschlöcher sind. Aber 300 Millionen Schmerzensgeld sind nicht übel.
Als Motto hinterließ er: Change ist good. Und da bin ich wieder dabei.
Henning Brehm, Wirklicher als die Wirklichkeit:
Design für Daily Soaps und Hollywood-Blockbuster.
Brehm ist Grafiker für TV- und Film-Produktionen. Er macht alles, was im Film Grafik ist. Zum Beispiel für Gute Zeiten, Schlechte Zeiten alle Plakate, Poster, Zeitungen, Zeitschriften-Titel, Computer-Screens – es gibt in dieser Serie nichts echtes. Alles wird gefaket. Wenn man die Beispiel aneinander gereiht sieht, fällt erst auf, wie gut die zur Qualität der Serie passen.
Für “The Bourne-Supremacy” hat er aus Berlin Moskau, Neapel, München (das ist leicht – ein Einfamilienhaus in grüner Lage und ein BMW mit münchner Kennzeichen) gemacht. So hat er zum Beispiel aus einem Kaiser’s-Supermarkt einen russischen Supermarkt gemacht. Inklusive Produktverpackungen und Fleisch-Theken-Beschriftung. Sehr unterhaltsam.

Am Abend Amrit, Winterfeldtstraße
Indisch ist immer viel zu viel. Aber gut.
Dann noch in die Oranienburger Straße in irgendeine Bar, in der es Caipirinhas zum halben Preis gibt. Nach zwei ist Schluß für mich.
Und aus.
