TypoBerlin 2005 • Tag 2
Auf um acht. Berlin shoppt nicht vor zehn.
Uwe Loesch, Bruno Schmidt (Meta Design Schweiz) und Johannes Erler (Factor Design, Hamburg), Wie wir arbeiten:

Uwe Loesch ist ein “großer, alter Mann” – sehr angenehm – einer von denen, die niemandem mehr was beweisen müssen. Humorvoller Beitrag, sehr relaxed nur etwas getrieben vom unsäglichen Spiekermann. Extra gute Plakate. Eine Instanz oder wie Michael sagte: “Eine Klasse höher als alle anderen”. Yes, definitly.
Bruno Schmidt hat Meta Design Schweiz gegründet. Ich hab nicht alles gesehen, aber er meinte, das man das Einsparungspotenzial und die betriebswirtschaftlichen Vorteil guten Designs in den Vordergrund stellen sollte. Stichwort: “Design als Managementinstrument”.
Johannes Erler ist einer der vier Partner von Factor Design. Factor Design scheint viele Ähnlichkeiten zu unserem Büro zu haben, bezüglich Anspruch und Herangehensweise. Erler erzählte über Wachstum während Boomphasen und das Problem an derem Ende wieder zu schrumpfen. Er zeigte einige lustige Statistiken, zum Beispiel sind bei Factor Design bisher 1,51% aller ParkatikantInnen blonde Schwedinnen gewesen.
MAGMA, Das Wort, das Bild + der gute Glaube:
Zwei Designer und ein Illustrator und ein Fotograf arbeiten an einem Buch “Bastard”. Dazu machen sie eine dreiwöchige Weltreise. Sie zeigen ihre Eindrücke als Slideshow mit Musik. Starke Portraits und die Fotos sind überhaupt sehr ok. Die Illustrationen, hmm, nicht so mein Fall. Darübergelegt Texte, die ich nicht verstanden hab’. Insgesamt sehr – äh – moody?
Gerard Unger, TYPO 2005:
Type + Design vor 1000 Jahren
Gerard Unger ist auf den drei TypoBerlins auf denen ich bisher war, ein unbedingter Fixpunkt. Altmodisch in Themen und Anspruch. Nix cool. Nix Web oder NewMedia. Typographie, Schriftdesign, klassisch. Der holländische Akzent, der trockene Humor (“Wir haben uns genommen eine Leberwurst, Käse und eine Kasten Bier und sind so lange an dem Schild vorbeigefahren, bis es dunkel war” – G.U. zum Thema User-Testing von Schriften auf Verkehrsschilder), die erkennbare Hingabe an die Sache machen ihn zum unbedingten must auf jeder Typo. Diesmal auch ein Thema, das mich eigentlich nicht zu Freudensprüngen einlädt – Romanik. Aber er zeigt Dias (ich glaube diesmal waren sie leider eingescannt) und vermittelt auch an diesem Thema Faszination (“ich liebe diese zusammengezogen A mit diese E). Der Saal war proppenvoll – zu recht!
Ralf Greuel, Die tausend Gesichter der Metamorphose:
Der Mann ist trocken. Sein Humor nicht, das hat er bereits 2003 (Typo-Thema: Humor) bewiesen. Sehr wissenschaftlich rollte er das Thema Metamorphosen auf. Heldensagen, Götter undwasweissichnochallesfüreinuninteressanterverwissenschaftlicherunverständlicherscheiss. Zum Schluss noch ein paar Movies zum Lachen und aus.

Neville Brody, role/play:
Es war einmal ein Mann. Er war der Star aller Grafiker und an Grafik-Desing Interessierter. Auch meiner. Er wurde kopiert. Er wurde zitiert. Man wollte wissen, was er zu sagen hatte. Ihm wurde jeder Preis gezahlt. Er war gut, sehr gut. Er war innovativ.
Damit ist’s nun aus. Neville Brody macht Zeug wie jeder andere auch. Durchschnittsware. Er hat große Namen unter seinen Kunden. Aber niemand hält ihn mehr für einen Star.
Dass das reicht für eine ordentliche Midlife-Crisis kann ich mir gut vorstellen. Er hat einen Bart, der ihn ziemlich blöde aussehen lässt. Und hat gejammert und gelabert. Ich habe gehofft, es kommt der große englische Humor-Hammer. Aber er kam nicht.
Wir müssen mehr Verantwortung… es geht nur mehr darum mehr Dinge zu kaufen oder zu verkaufen… wir machen jeden Tage dasselbe… alle Hotelzimmer sehen gleich aus… sein Sohn hat 13 verschiedene Autorennspiele für die XBox…
Kurz, Neville go home, get laid. Eines meiner Idole hat sich innert einer Stunde völlig demontiert. Der Tiefpunkt der Typo.

Am Abend auf den Hackeschen Markt. Zum thailändischen Restaurant. Anschließend zurück ins Hotel. Dort in der Lobby unterm Pferdekopf Heineken, Becks, Becks Gold. Katharina stellt sich eindeutig als zum Team passend heraus. Premiere: Ins Bett, als es hell wurde über Gerhards Residenz. Boeh.


Samstag, 13. Mai 2006 um 21.25
[...] Es gibt wieder einen nicht mehr hippen Grafik-Star. Wermma segn, wermma sogn. [...]